Niemand wie Bier

Niemand wie Bier
Knapp 70 Fans begleiteten den VfL Halle 96 zum dritten Saisonspiel nach Leipzig in den Alfred-Kunze-Sportpark, um die Mannschaft und sich selbst ausgiebig bei tropischen Temperaturen und kühlen Durstlöschern zu feiern. Leider schoß das Team auch dieses mal kein Tor. Für die beiden Gegentore war der wahre Schuldige schnell ausgemacht:
Danke Merkel
Die Stimmung war dennoch ausgelassen und biergesellig. Unterstützt wurde der VfL auch diesmal wieder von Freunden des RBL. Weniger angenehm waren zwei augenscheinliche Chemieultras, die offenbar das Lied des Ultrá-Männerchors, dass man „im Leutzscher Holz geboren“ sei, etwas zu wörtlich nahmen. Dementsprechend aggressiv reagierten beide vor Spielbeginn auf einen VfL-Fan, der es wagte, auf dem Weg zum Stadion einen VfL-Sticker an einer Laterne des Geburtshauses anzubringen. Das sei ihr Revier, hyperventilierten die grün-weißen Blockwarte, und begannen sofort, den Nestbeschmutzer zu bedrängen. Wir seien hier zu Gast, dürften keine Aufkleber verkleben und sollten gefälligst mehr Respekt vorm grün-weißen Lokalkolorit zeigen. Die Halbstarken ließen es nicht an Dicke-Eier-Sprüchen missen. Nach dem Spiel würde man uns platt machen und „wenn die Bullen nicht dabei sind, seht ihr keine Sonne mehr“. Von Beginn an wurde der blau-rote Störenfried geschubst und getreten. Die Verteidigung des Ganglands ging noch weiter: Im Laufe der Auseinandersetzung wurde der VfL-Fan als „Spast“ und „Scheiß Zecke“ beleidigt, die sich zu „verpissen“ habe.

Wir gehen zwar davon aus, dass solches Vorgehen in der Ultrá-Szene von Chemie kein Konsens ist. Wer aber selbst dauernd von „Ehre“, „Respekt“ und dem „eigenen Revier“ faselt, der braucht sich über derartige Platzhirschmentalität, bei der Einzelne übers Ziel hinausschießen, nicht zu wundern. Auch nicht darüber, wenn diese sich beim Vokabular derjenigen bedienen, die eigentlich das Copyright auf Blut-und-Boden-Gerede haben. Wir jedenfalls hatten zwar nicht mit Naziquatsch, wohl aber mit derartigem Gepolter gegen fremde Farben gerechnet – und die An- und Abreise mit der Polizei koordiniert. Da wir weder Ultras sind, noch sonderlich auf das Recht des Stärkeren oder Gangquatsch stehen, arbeiten wir lieber mit der Polizei zusammen, als uns auf das Wohlwollen von ein paar (offenbar aber wenigen) Prolls zu verlassen. Wenn Chemiker beim Rückspiel bei uns am Zoo massenweise Aufkleber hinterlassen werden, machen wir zwar auch ein Fass auf, allerdings nur in unserer Kurve. Und das auf jeden Fall lieber mit unseren Freunden von RBL als mit irgendeiner Dicke-Eier-Fraktion. Prosit!
Affe
Netz
Bier für uns & Bier für euch
Barra Brawu
Penny

BSG Chemie Leipzig – VfL Halle 96 (2:0)

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15 Gedanken zu „Niemand wie Bier

  1. Ja, bei uns gibt’s leider auch so ein blödes Gehabe. Hoffen wir mal, dass die betreffenden Jungs schnell dazu lernen – gerade über solch sympathische Gäste wie Euch freuen sich die allermeisten ChemikerInnen. Allein schon der „scheiß LOK“ – Chor war herausragend.

    Grün-weiße Grüße nach Halle!

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  2. Na, da kann man wirklich nur hoffen, dass es euch gelingt, das schwere Trauma, das die Begegnung mit den zwei Nasenbären hinterlassen hat, zu überwinden.
    Vielleicht ja mit einer richtig geilen Brauseparty mit euren ach so progressiven RBL-Homies.

    Abgesehen von dem recht vielen Wein hier war aber nicht alles Käse, was ihr gestern veranstaltet habt. „Danke Merkel“ war echt schön. Überhaupt mal Gäste war schon schön.

    Ach ja: Zeigt ihr das „Niemand wie Bier“ nun eigentlich auch im Rückspiel? Aller guten Dinge sind doch drei…

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    • Leute wie du (Trauma, Wein) bilden das ideale Habitat für Nasenbären. Da ergänzt dein Beitrag den obigen Text ganz gut.

      Ach ja: Müssen sich die VfL-Fans jetzt auflösen, weil sie zweimal den gleichen Spruch gebracht haben?

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      • Gute Frage. Müsste ich nochmal nachgucken.

        Gegenfrage: Den Vorfall schon an Ultrapeinlich weitergegeben? Wär doch ’ne Riesenstory, oder?

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  3. Danke Barra-Brawu für das Statement und das ihr einer Diskussion über derartige Vorfälle eine Plattform gebt. Ich bin in dem zentralen Vorwurf voll und ganz eurer Meinung.

    Ich möchte allerdings auch noch ein paar Szenen herrausheben, die bislang noch keine öffentliche Erwähnung gefunden haben:

    2 Chemie-Fans haben es in zusammenarbeit mit dem Security-Personal geschafft den Gästeblock zu stürmen!!! Sogar mit Bier in der Hand als Reaktion auf unser „Auf geht’s Grün-Weiße Jungs… holt ein Bier für uns.“ Und zwar nicht nur 1 (!) für alle wie annodazumal die armen Schlucker von RB, die sich nicht mehr leisten konnten.

    Nach den Zuschauern bei RB2 also die ersten Fans, die offen und humorvoll auf uns zugekommen sind und der vehement bei jedem Spiel skandierten Aufforderung nachgekommen sind.

    Beim Abmarsch der Autofahrergruppe nach Spielende gab es ebenfalls ausschliesslich positives Feedback zum VfL und seiner Fanszene. „Kommt gut nach Hause“, „Ihr seid klasse“, „Euer ‚Niemand wie Bier‘ war spitze“ und „toll, dass ihr keine Nazis seid“ waren Sätze die runtergehen wie Öl.

    Nach der anfänglichen Überraschung und Verwunderung über den fehlenden Getränkestand im Gästesektor wurde gut und und unkompliziert reagiert. Entgegen den Behauptungen des örtlichen Personals war die BSG Chemie sehr wohl informiert das Gästefans in dieser Anzahl anreisen werden. Auch auf den hohen Stellenwert des Bierkonsums wurde explizit hingewiesen.
    Nach einer eindringlichen und ehrlichen Entschuldigung durch einen Mitarbeiter des Fanprojektes wurde dann unkompliziert Abhilfe geschaffen und die Sachsenstube kam auch ohne Kilometergeld zu einem Rekordumsatz. Danke dafür. Bester Mann: Thresengespann.
    Der Bierverkäufer aus der Sachsenstube ist fast mehr gelaufen als Käpt’n Karau auf’m Platz, der leider nichtmal nach Spielende den Weg zum Gästeblock gefunden hat… aber das ist schon mehr als Off-Topic.

    Ebenso Danke an die BSG-Verantwortlichen für die Freiheit in Sachen Tapeten, Zaunfahnen und Choreomaterial. Das ist alles nicht selbstverständlich und macht die BSG Chemie trotz des asozialen Dicke-Eier-Gehabes mancher Fans zu einem der sympathischten Ligakonkurrenten.

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  4. @Dicke-Eier-Prollo:

    Wenn du schon ultras.ws-Sprache sprichst, dann bitte richtig:

    „Ihr solltet euch gemeinsam mit den RBL-Konsumenten gegenseitig die Schwänze lutschen. So, und jetzt hört ihr Muschis mal auf, hier so rumzuheulen oder geht zum Halma. Fußball ist einer Männersport. Solche Sachen passieren überall. Alles gesagt, kann zu. Und wer nicht dabei war: Fresse halten.“

    P.S. Die Tapete „Niemand wie Bier“ hatte am Freitag Premiere. Den Spruch gab es vor Ewigkeiten schonmal als Titel eines Textes über uns, aber noch als Tapete.

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    • @Westbemme:

      Jeder, der nicht der Meinung ist, dass eine ziemlich plump geratene Ansage mit tatsächlich zweifelhaftem Vokabular zwangsläufig dazu führen muss, dass sich 80 % des Berichtes nur mit diesem Großereignis befassen (und der Bericht auch gründlichst auf möglichst sämtlichen Plattformen geteilt wird, um die Rückständigkeit der Chemiker auch standesgemäß zu verbreiten), ist homophob und ein Sexist?

      Ein wirklich äußerst aufgeklärtes Weltbild.

      Überhaupt nichts zu mäkeln hätte ich übrigens gehabt, wenn Darstellungen wie von DuXter ebenfalls Eingang in den Bericht gefunden hätten. Das hätte ich dann ausgewogen genannt.

      Und nein, der Spruch auf der Tapete hatte am Freitag m.E. nicht Premiere. Vielmehr wurde er bereits in der Sommervorbereitung 2012 von VfL-Fans im Testspiel bei uns (damals auf dem Nebenplatz im AKS) gezeigt.

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      • Auch wenn ich – außer der Zugehörigkeit zum selben Verein – mit den Verfassern des Blogs nicht viel zu tun habe gilt auch hier das Gebot der Fairness und Objektivität: Sinn und Zweck solcher Publikationen ist es gelesen zu werden – und da es aufgrund der großen Anzahl von Chemiefans im Netz auch eine vielzahl von Publikationsmöglichkeiten gibt, ist der Link halt 4 bis 5 mal irgendwo aufgetaucht… mein Gott, Blogschreiber wollen gelesen werden, also tun sie was dafür.

        Den Vorwurf, dass alle (!) Chemiefans rückständige Testosteronbomber sind hab ich allerdings nicht herauslesen können. Im Gegenteil: es wird immer wieder erwähnt, dass solches Verhalten in eurer Fanszene keine hohe Akzeptanz hat.
        Wichtig solche Vorfälle zu publizieren ist es dennoch, damit gerade die Chemiefans die ich so überaus sympathisch finde erkennen, dass bei euch Leute übers Ziel hinausschiessen, die Niemand so recht am eigenen Rand haben möchte.

        In der Paralleldiskussion zu diesem Artikel im VfL-Forum hat sich bereits rausgestellt, dass der Autor zumindest über den „Blocksturm mit Bier“ keine Kenntnis hatte und sich sowohl dort als auch hier für meine ergänzenden Anmerkungen bedankt hat.

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      • Ach, Dicke-Eier-Prollo,

        du hast doch selbst vom „schweren Trauma“ und vom „Weinen“ gesprochen. Das ist doch die typische ultras.ws-Art einen Übergriff zu bagatellisieren. Dann brauchst du dich auch nicht wundern, wenn ich das Ganze noch etwas zuspitze. Mag sein, dass du dich für „alle Chemiker“ häkst, ich habe allerdings nur dich gemeint. Es hat übrigens niemand davon gesprochen, dass die VfL-Fans übel zugerichtet wurden. Es schien aber dennoch wichtig, auf die Nazikommentare (und das ist erheblich mehr als dein verniedlichendes „zweifelhaftes Vokabular“) und die Tritte bzw. Schubser hinzuweisen. Und das Ganze im Zusammenhang mit dem ganzen Ultra-Kram zu sehen, ist doch auch stringent. Oder gibt es solche Vögel auch bei uns, SSV Markranstädt oder Askania Bernburg? Das heißt zwar nicht, dass die Diablos und co. dafür gerade zu stehen haben, wenn zwei Gipsköppe über das Ziel hinaus schießen, sich aber mit der eigenen Platzhirschmentalität auseinanderzusetzen wäre aber schon mal angezeigt, was selbstverständlich nicht passieren wird.

        Zum Testspiel:
        https://barrabrawu.wordpress.com/2012/07/20/gorillas-im-nebel/

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  5. „Die Fans des VfL Halle nehmen die Dinge gern mit Humor. Selbstironische oder satirische Gesänge und Spruchbänder zeichnen die kleine, aber engagierten Anhängerschar vom Zoo aus.

    Auch für das Oberligaspiel bei Chemie Leipzig hatten sich die VfL-Fans am Freitag wieder etwas ausgedacht. In Anlehnung an den Wahlspruch der Messestädter, „Niemand wie wir“, reckten sie ein Spruchband mit der Aufschrift „Niemand wie Bier“ in die Höhe.

    Mit dieser Persiflage konnten die halleschen Fans zumindest auf den Rängen einen kleinen Punktsieg gegen den Leipziger davontragen.“

    http://www.mz-web.de/halle-saale/sport/vfl-halle-niederlage-auch-gegen-chemie-leipzig-24660118

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  6. Pingback: NIEMAND WIE IHR? Über Chemie Leipzig und dessen heimatbewusste Ultras. | bonjour tristesse

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